X-79 Double Handed Callenge 2017

 

 

Wir kamen am Pfingstfreitag bereits um 12 Uhr los, aber das war auch gut, denn es war wenig Wind aus westlicher Richtung, aber viel Sonne angesagt. Ich hatte noch zu Hause zu Ute gesagt: „Wir ziehen vor Glücksburg den Spi hoch und segeln damit bis Schleimünde!“ Aber es kam anders. Wir legten mit Segeln ab und kamen nur langsam aus dem Hafen, weil es flau war. Draußen fanden wir dann einen Windstreifen mit einem stetigen Nordost, so dass wir kreuzen mussten, an den Spi war nicht zu denken! Dann schlief der Wind auch noch ein, so dass wir in Anbetracht der weiten Strecke den Motor anstellten. Nach nur 10 Minuten setzte sich ein leichter, aber stetiger Ostwind durch, so dass wir bei weiterhin herrlichem Sonnenschein in der Außenförde weiter kreuzten. Und am Kalkgrund-Leuchturm drehte der Wind zu guter Letzt auf Südost, so dass das Kreuzen bzw. der Am-Wind-Kurs fast bis nach Schleimünde weiter ging! Dort kamen wir um kurz nach 20 Uhr an, fanden noch einen guten Platz in der 2. Reihe im sehr vollen Hafen und begrüßten einige andere 79-er. Wir lagen ziemlich verteilt und teilweise in der 3. Reihe, so dass der abendliche Schnack im Cockpit weniger stattfand, als in den Jahren davor.

 

 

 

Am nächsten Morgen fanden wir uns zur Steuermannsbesprechung ein. Es war bewölkt, aber 3-4 Windstärken aus OSO versprachen einen schönen Segeltag. Für den Nachmittag war etwas Regen angesagt. Es waren acht X-79 gemeldet, diese kamen aus Kiel und der Schlei, wir waren diesmal die einzigen aus der Flensburger Förde. Nach den Formalitäten gab Janine die Bahn bekannt und erklärte noch mal, dass wir nach Yardstick segeln, dass somit wie üblich eine vorhandene Seereling einen Extrapunkt gibt und dass es für jedes kleine Kind ebenfalls einen Punkt gut geschrieben gibt. Es waren 2 Kinder und viele Seerelings in unserem Feld! Und sie erklärte noch mal das Torstartverfahren.

 

Wir legten ab und setzten in der Schleimündung das Großsegel. Wir unterschätzten die Wellen: nach dem Ausstellen des Motors stampften wir uns - nur mit dem Groß - in der Dünung fest und kamen nicht mehr voran, erst die rasch dazu gesetzte Genua machte uns wieder manövrierfähig. Wir kreuzten zur Ansteuerungstonne und überliefen diese ein wenig, dann kam auch schon Janine mit „ihrer“ Flextime“ als Torstartboot, Wir starteten als 2. Schiff auf Backbordbug hinter ihrem Heck durch und gingen auf Kurs Nord. Bei halbem Wind mit 3-4 Windstärken war es zu kritisch für den Spi, zumal wir natürlich nur zu zweit waren. Es zeigte sich bald, dass die Hälfte des Feldes etwas höher ging und deutlich nach draußen segelte, vielleicht um früher den Spi setzen zu können. Mit 3 Schiffen (Flux, Smilla und wir) gingen wir nur gering höher, als der direkte Kurs, da wir auf direktem Nordkurs den stärksten Mitstrom erwarteten und zusätzlich den Umweg sparen wollten. Noch weiter unter Land lief die Ixes mit Gabi und Marc und ihrer kleinen Ella, derentwegen sie auch als einzige mit Fock segelten. Es war schon bald nicht mehr gut zu sehen, welche Gruppe die Nase vorn hatte. Es gab immer wieder kräftige Böen, so dass bei dem spitzen Winkel immer noch keiner den Spi gezogen hatte. Irgendwann löste sich die Smilla aus unserer Gruppe, zog hoch gen Osten und kam im Außenfeld an. Nun kamen bald die ersten Spis hoch, ein schönes Bild! Ich hatte allerdings den Eindruck, dass das Außenfeld zunehmend zurück fiel, das fand ich gut. Der Wind bei uns raumte ein wenig und ließ etwas nach. Plötzlich hatten Leif und Johanna auf der Flux, die wenige Schiffslängen hinter uns lagen, den Spi oben und liefen nun leider deutlich schneller in Lee an uns vorbei! Als wir den Spi hoch hatten, waren sie ihrerseits um 2-3 Schiffslängen vor uns. Auf dem Weg zur Breitgrund-Nordtonne tat sich bei uns beiden zunächst nicht mehr viel. Das Außenfeld kam mit ihren Spis jetzt langsam runter, es zeigte sich aber deutlich, dass unsere Rechnung aufgegangen war, das Feld landete komplett hinter uns. Die Ixes mit ihrer Fock hielt sich erstaunlich gut, hatte allerdings nach dem Setzen der Spis doch merkbare Nachteile, denn Ella war inzwischen wach und forderte einen Teil der Aufmerksamkeit der Eltern, so dass sie den Plan den Spi auch zu setzen wieder fallen ließen!

 

Beim Ansteuern der Breitgrundtonne nahmen Leif und Johanna einen größeren Bogen, wohl um vor der Tonne zu schiften und dann schon auf StB-Bug zu sein. Das nutzten wir aus und nahmen den direkten Weg. Unsere Schifte klappte sehr gut und an der Tonne waren wir wieder vor ihnen! Wir konnten bis zur Mittelgrund-Osttonne den Vorsprung etwas ausbauen, schifteten dort noch einmal und nahmen Kurs auf das Hørup Hav. An der Westecke der Kegnæs-Halbinsel musste der Spi runter, da wir fast an den Wind gehen mussten. Hier machte ich leider den Fehler, dass ich das Spifall, welches schon bei Ute in der Hand lag aus der Klemme nahm, bevor ich den Achterholer fierte. Das hatte zwei Folgen: erstens hatte Ute vom ausrauschenden Fall hinterher trotz Handschuhen 3 Brandblasen an der Hand und zweitens landete die obere Hälfte des Spis großzügig im Wasser. Ich barg ihn so schnell es ging und stellte die Segel ein. Wir segelten zwischen den ankernden Schiffen hindurch dicht an der Küste entlang zur grünen Zieltonne am Eingang des Havs und nahmen dort unsere Zeit. Eine knappe Minute später kam die Flux mit Leif und Johanna und 3 Minuten später die Xoxo mit Max und Tini ins Ziel. Wir fürchteten, dass der Vorsprung uns nicht reicht, denn die Flux hat eine Seereling und damit einen Berechnungsvorteil (wenn auch heute ohne echte Kreuz keinen wirklichen Nachteil), waren aber mächtig stolz darauf den ersten Platz zumindest ersegelt zu haben. Bei unserer Ziel-Zeitangabe sah ich bei Janine auf dem Zettel, dass die Flux die gleiche Zeit von 12.54 hatte und meinte zu Janine, dann müsst ihr unsere Zeit aber auf 12.53 ändern.

 

Im Hafen hatte es leider mit der Reservierung der nördlichen Außen-Brücke nicht geklappt, wohl weil der nette Hafenmeister nicht mehr im Amt war. Wir versuchten noch einen relativ leeren Teil an der südlichen Außenbrücke zu ergattern und für die anderen zu reservieren, wurden aber etwas unsanft von Arnisser-SC-Seglern verwiesen, die den Platz für ein Treffen mit Clubkameraden blockierten. Wir gingen in das Südbecken, fanden rasch einen Platz und ich versuchte die Nachkommenden zu uns zu lenken, was mir zum Teil gelang. Am Ende waren wir leider doch etwas verstreut im Hafen, was die Kommunikation erschwerte. Wir fanden uns aber trotzdem und beschlossen, mit dem Grillen nicht zu lange zu warten und schmissen einen Grill mit vom Hafen bereit gestellter Kohle an und stellten Tische zusammen. Nun wurde fröhlich gegrillt und gegessen und Regatta-Geschichten ausgetauscht. Unsere Gruppe wurde durch 3 angereiste X-79, die es nicht geschafft hatten zur Regatta zu kommen, aber hier teilnehmen wollten, erweitert und wir tafelten in fröhlicher, großer Runde. Nach dem Essen ging es an die Preisverteilung. Janine fing hinten an und verteilte an alle schöne Polyacrylatbecher mit graviertem Logo, einen knallroten Schlüsselanhänger, natürlich auch mit Logo und einen Silberlöffel (die waren von einer früheren Veranstaltung übrig). Auch durfte sich jede Crew noch 2 Shirts aussuchen. Die Plätze 2-4 bekamen zusätzlich eine Flasche Rotwein, die Plätze 1-3 zusätzlich ein X-79-Logbuch. Und als letztes wurden tatsächlich wir als Gewinner aufgerufen und bekamen den Wanderpreis, einen Bilderrahmen mit Plaketten der jeweiligen Regattagewinner und einem Photo von vielen X-79 am Steg in Høruphav. Das kam mir komisch vor, weil ich inzwischen von Janine erfahren hatte, dass der Zeitbonus, den wir der Flux gewähren mussten bei 106 Sekunden auf die gesegelte Zeit von knapp 3 Stunden kam und so viel Vorsprung hatten wir nicht, aber Janine ließ sich in ihrem Elan nicht bremsen. Anschließend an die Preisverteilung wurde weiter geschnackt und gefeiert, den leichten Regen, der vorübergehend einsetzte, merkten wir kaum, die Stimmung war prächtig.

 

In der Nacht lag ich zeitweise wach und mir wurde klar, woran es liegen musste: wir hatten unsere Zeit nach vorn korrigiert, Leif musste nach einem Gespräch mit mir seinerseits seine Zeit nach hinten korrigiert haben, so dass dadurch die erforderliche Differenz herausgekommen war, anders war es nicht zu erklären. Ich beschloss noch in der Nacht den Ersten Preis an die Flux abzutreten, denn so wollte ich den nicht behalten, auch wenn die zwei in dieser Wettfahrt keinen Nachteil durch die Reling hatten, aber Regel ist Regel! Dann konnte ich wieder einschlafen.

 

 

 

Am nächsten Morgen erzählte ich Ute von meinen nächtlichen Gedanken, sie war mit allem einverstanden. Ich verglich bei Janine noch mal unsere Zeiten und hatte recht gehabt in meinen nächtlichen Gedanken. So suchten wir nun Leif und Johanna auf ihrer Flux auf, die wenige Plätze neben uns lagen, erzählten Ihnen die ganze Geschichte und während Ich ihnen nachträglich den ersten Preis überreichte, schoss Ute das Bild von uns. Sie freuten sich sehr darüber, versicherten aber beide dass sie es auch anders in Ordnung gefunden hätten. Wir hatten Glück: die Weinflasche war noch nicht ausgetrunken und wurde mir von Johanna übergeben.

 

Nun frühstückten wir mit den beiden und mehreren anderen Crews noch ausgiebig zusammen an einem der Grillplätze. Nach dem Abwasch verabschiedeten wir uns voneinander und jeder ging seiner Wege: einige blieben in Høruphav, andere segelten weiter, weil ja Pfingsten und das WE einen Tag länger war. Wir segelten nach Hause, weil ich am Pfingstmontag Dienst machen sollte. Die DHC war auch 2017 eine äußerst angenehme Veranstaltung, die uns – und ich glaube allen – sehr viel Spaß gemacht hat. Wenn irgend möglich, sind wir nächstes Jahr wieder dabei, natürlich mit dem Ziel nach 2 zweiten Plätzen dann endlich zu gewinnen, aber das werden natürlich Andere auch vorhaben … ;)

 

 

 

Sven und Ute Outzen – GER 234 - Frechdax

 

Nächster Termin:

DDM

 

8. - 10. September 2017

 

Flensburg